Interview mit Dr. med. vet. Vera Biber

Wir freuen uns sehr, dass uns Frau Dr. med. vet. Vera Biber einige Fragen zu ihrem  Fachgebiet “ gesunde und artgerechte Fütterung von Hunden “ beantwortet hat.

Die Fragen, die uns im Zusammenhang mit der artgerechten Fütterung von Blindenführhunden besonders interessieren, sind wie folgt.

  1. Was verstehen Sie unter einer artgerechten Fütterung des Hundes?

Ich verstehe darunter die heutzutage noch ersatzweise möglichst wolfsnahe

Fütterung. Hund und Wolf, als Vorfahre desselben, haben eine fast identische Anatomie und Physiologie ihres Verdauungsapparates. Unsere Hunde sind durch Fertigfutter immer kränker geworden.Verhaltensstörungen, Allergien, gestörte Futteraufnahmen, Tics etc. Nennen Sie mir ein Tier in der Natur, das seine Nahrung kocht? Eben! Deshalb leiden nur der Mensch und seine Haustiere an den oben genannten Zivilisationskrankheiten.

  1. Warum sollten wir unsere Hunde artgerecht ernähren? Was sind die Vorteile davon?

Vorteile des Barfens:

  1. gesündere, naturnahe Fütterung. Grundsätzlich gilt: Je unverarbeiteter und frischer, desto gesünder. Ich kann selbst Verschimmeltes, Fremdkörper etc. im Einzelnen aussortieren, was bei Containerverarbeitung nicht gegeben ist.
  2. Der genetische Code von Wolf zum Hund verändert sich weniger als 1% in       6 Mio Jahren. Erhitztes Getreide gibt es für Tier und Mensch erst seit 10 000 Jahren. Beispiel: Ein Rohkost-Barf-Menü mit Rindfleisch, pürierter Möhre und etwas Kartoffel hat mindestens doppelt soviel Vitamine wie eine gleichnamige Dose. Da hier verschiedene Vitamine verschieden hitzeempfindlich sind, entsteht im Endprodukt ein Ungleichgewicht.
  3. Keine Lock-, Farb-, Suchtstoffe, keine synthetischen Vitamine, keine anorganischen Mineralstoffe. Ohne giftiges Menadion K3 Vitamin, ohne Konservierungsstoffe wie BHA, BTA etc. Ohne Rückstände des Herstellungsprozesses, zum Beispiel Antihaftzusätze oder Reinigungsmittel für Maschinen und Schläuche.
  4. Hunde fressen individuelle Mischkost mit mehr Appetit und Freude durch Abwechslung.
  5. Eigenentscheidung der Komponenten und Einzelkontrolle von Verträglichkeit.
  6. Es werden keine Mineralien ausgewaschen. Beim Kochen von Fisch und Fleisch werden 30% der Mineralstoffe ins Kochwasser abgegeben.
  7. Es werden keine Enzyme, Vitamine, Proteine, Mineralien und Sekundärstoffe zerkocht, ausgespült oder chemisch verändert und in einen für den Organismus inaktiven, deshalb nutzlosen Zustand versetzt.
  8. Weniger Hundekacke in der Umwelt, da bessere Verwertung. Frischfleisch und tierische Rohfette werden zu 98% verdaut.
  9. Eigenkontrolle des Zubereiten in Verbindung mit Stuhlkontrolle und einzelner Zuordnung. Problemlose Zuordnung des Gefressenen zu Stuhlgang, Krankheiten, Allergien. Eigene Darf Zubereitung hat nur drei Komponenten, die ich einer Unverträglichkeit leicht zuordnen kann. Das geht nicht bei einem Fertigfutter mit Dutzenden von Inhaltsstoffen.
  10. Dreimal kleiner Kotmengen als bei konventionellem Fertigfutter, weil fast alles verdaut werden kann. Ein Beitrag zum Umweltschutz. Grosses Stuhlvolumen spricht immer für schlechte Verdaulichkeit.
  11. Individuelle Abstimmung nach Rasse, Geschlecht, Appetit, Erkrankung, Alter, Wetter, Vorlieben, Aktivität und Haltungsform. Keiner kennt Ihr Tier so gut wie Sie selbst! Werden Sie zum Experten ihres eigenen Vierbeiners!
  12. Umweltschutz und bessere Ökobilanz durch weniger Verpackung, Aluminiumfolien- und -schalen, Plastik, Transport ( kein Vorteil bei Versand ). Ich kaufe frisch, regional, saisonal, vermeide Fertigware. Im Allgemeinen sind die ökologischen Entscheidungen auch für die Gesundheit die besten.
  13. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen! In nur wenigen letzten Jahrzehnten wurde uns suggeriert, dass wir zu blöd seien, um unsere Hunde zu füttern. Beweisen Sie in Eigenverantwortung das Gegenteil!
  14. Die natürliche Gesamtkomposition von Rohkost kann nicht durch wissenschaftliches Zusammenrühren und Zerkochen ersetzt werden. Ein Naturprodukt ist mehr als die Summe seiner Teile.
  15. Keine Energieverschwendung für Kochen. Braten, Grillen, backen, auch hier gilt Ressourcenschonung. Erhitztes Fleisch verändert seine Chemie. Dabei wieso man immer noch nicht, wie viele ( es sind einige Hunderte ) und welche chemischen Veränderungen genau dabei stattfinden. Fest steht aber, dass erhitztes Fleisch keine natürliche Eiweissstruktur, keine hitzelabilen Vitamine, keine Biophotogen und aktiven Eigenenzyme mehr hat und sich sogar krebserregende Stoffe dabei bilden können, zum Beispiel Benzpyren, Acrylamid oder Nitrosamine. Es können sogar Rückstände aus Tierarzneien freigesetzt werden, die aber gebunden vom aufnehmenden Organismus besser entgiftet werden können. Deshalb können sich im erhitzten Fleisch mehr Rückstände finden als im Frischfleisch. Aber in der Futterindustrie wird geworben mit: Naturbelassen! In der Dose! Man nimmt ebenfalls an, dass sich in erhitztem Fleisch Proteine bilden, die Allergien favorisieren, da betroffene Tiere das Rohfleisch oft gut vertragen.
  16. Gift in Lebensmitteln ist legal, in Futtermitteln noch viel mehr. Die Gesetze unterstützen nirgendwo Gesundheit und Umwelt, sondern bedienen die pekuniären Interessen des Lebens- und Futtermittelmarktes. Nahrungs- und Futterindustrie sind die umsatzstärksten Industrien der Welt. Lassen Sie sich nicht „bewerben“, aber informieren!
  17. Weniger Krankheiten und Tierarztkosten, keine Ausgaben für Pillen und Pülverchen, Ergänzungsmittel und Zusätze, denn ein richtig gebarfter Rohkost-Candide hat alles was er braucht.
  18. Entgegen allgemeiner Reklame sind, richtig gemacht, keine weiteren Zusätze oder Vitaminpülverchen nötig. Auch wenn ich keinen eigenen Garten mein eigen nenne, kann man auf jedem Spaziergang frische Kräuter für den Futternapf sammeln. Das kostet nichts.
  19. Der Körper kann Vitamine und organisch gebundene Mineralien nach individuellem Bedarf verwerten, wird nicht künstlich übervitaminiert und -mineralisiert.
  1. Wie sieht es mit dem Zeit- und Geldaufwand für artgerechte Ernährung aus ( im Vergleich zur industriellen Ernährung der Hunde mit z.B. Trockenfutter ).

Nicht jeder liebt es, Fleisch aufzubewahren und zu schneiden. Bei Barf-Fertigportionen wird dem eiligen Hundebesitzer aber inzwischen auch das abgenommen. Regional einkaufen, portioniert einfrieren, Napf säubern, selber Fleisch entnehmen, schneiden, Gemüse ( das Waschen können Sie sich bei Bioware und Eigenernte sparen ), frisch pürieren, mischen, evt. Reis kochen kostet mich etwa eine gute Viertelstunde für einen grossen Hund. Zu viel?

In Futter- und Zoomärkten gibt es auch Gefriertruhen mit abgepackten verschiedenem Rollfleisch, soll heissen, bereits in kleine Stücke geschnitten und gefroren und eine sehr grosse Auswahl an getrocknetem: Ohren, Ochsenziemer, Schweinenasen, Hühnerleber, Hühnermägen, Fellstücke, Klauen (ungefüllt!), Trockenfleisch, Trockenfisch uvm. Empfehlenswert, wenn`s mal schnell gehen soll, wenn mal wieder vergessen wurde, Fleisch für den nächsten Tag aufzutauen, auf Reisen oder als Belohnung. Das lässt sich auch über den Hundebedarfsversand beziehen.

Grüner Pansen und Frischfleisch können per Express ins Haus geliefert werden. In Barfshops finden wir eine große Auswahl an Hundefrostfutter oder sogar frisches Rohfleisch an der Theke, oftmals bereits geschnitten, sodass die Mühe des Zerkleinerns entfällt. Es gibt auch richtige Frischfleischtheken für Hunde, meist in Grossstädten, zum Beispiel in Berlin und Hamburg. Auch Zooläden, sogar Baumärkte haben inzwischen Gefriertruhe, wo sich portioniertes Rollfleisch verschiedener Tierarten in Plastiktüten findet. Barf ist über den Nimbus des ausgefallenen Modetrends  hinausgekommen. Alteingesessene Firmen geben sich reichlich Mühe, dem mit Halbwissen entgegenzusteuern und Verwirrung zu stiften, beispielsweise mit Konserven, die als Frischfütterung oder Barf-Dosen beworben werden!!! Auch die Aussage „Herstellung auf Frischfleischbasis“ oder „Frischedienst“, der Ihnen nur Konserven und Tüten mit trockenen Kräckern bringt, ist eine willentliche Irreführung oder diese Leute haben das Wesentliche nicht kapiert. Was soll an Dosen frisch sein? Schliesslich nennen Sie sich Konserven, weil der Inhalt konserviert, soll heissen lange haltbar gemacht wurde, nämlich durch Sterilisierung, das heisst Hocherhitzung.

Am preiswertesten ist es, sich mit Metzgerläden, Jägern, Hausschlachtern, Bauernhöfen, Schlachthäusern oder Geflügelhöfen, eventuell mit Sammelbestellungen gut zu stellen. Hat man erst einmal die regionalen Bezugsquellen ausgemacht, ist barfen wesentlich billiger als Tüte oder Dose und zudem noch gesünder.

Bekomme ich Fleischreste, sind die zuweilen sehr fett. Dann empfiehlt sich, zum Teilmdas Fett abzuschneiden und es bei einer anderen Menüzusammenstellung mit fettlosen Fleischkomponenten wie Lunge, Milz, Herz oder Leber zu mischen.

In Supermärkten finden wir nur noch selten Innereien, Suppenhühner, Suppenknochen, Markknochen, Hühnerleber, Rinderleber und -nieren, Hühnerherzen, Hühnerkarkassen, Schweinefüsschen. Kaufen Sie nur an der Frischetheke, auch nicht mariniert, möglichst nicht in Plastik, nicht eingeschweisst. Auch Tiefkühlware ist kein Frischfleisch! Ansonsten finden sich in deutschen Supermärkten in dieser Richtung nicht mehr viel für unseren Hund.

Hat man erst mal die richtige Quelle gefunden, ist Barfen sogar um ein vielfaches billiger als Dose oder Tüte. Allerdings: Je mehr ich Rohes verarbeiten, schneiden, Mischen, versenden lasse, desto mehr erhöht sich wieder der Preis.

Vorteile von Fertigfutter:

  • Zeitersparnis für berufstätige, auch als Reise-Fertigkost
  • Nicht preiswert, aber billig, etwa 15€ für einen Retriever im Monat bei Billigmarke. Oft werden die Hunde etwa mit 5 Jahren Dauertrockenfütterung chronisch krank. Man spart also auch Tierarztkosten.
  1. Welche Erfahrungen haben Sie hinsichtlich der Gesundheit und damit auch der Leistungsfähigkeit der Hunde im Zusammenhang mit einer artgerechten Ernährung gemacht?

Gebarfte Hunde haben erwiesenermassen weniger Zahnstein, Giardien, Allergien, Übergewicht, Hyperaktivität, Fresstörungen, Magenumdrehungen, Diabetes, Krebs und Schilddrüsenprobleme. Sie wachsen langsamer und neigen dadurch zu festeren Muskeln, weniger Skeletterkrankungen und glänzendem Fell. Sie sind nicht nur gesünder, sondern auch glücklicher, konzentrierter, einsatzbereiter und arbeitsfreudiger. Zufriedenheit erkennt man am Mit-sich-selber-spielen, in der Wiese räkeln, am freudigen was-machen-wir-jetzt-Blick.

  1. Wie sind die Möglichkeiten für unsere sehbehinderten und blinden Kunden bei der Umsetzung dieser artgerechten Ernährung? 

Die meisten Blinden finden über ihre Blindenvereine, die Kontakt zu mir aufnehmen, in meine Seminare, weil sie mit der Gesundheit ihres Führhundes nicht zufrieden sind, weil sie etwas über ihren Führhund lernen wollen, nicht nur, was die Fütterung betrifft, weil sie jede Menge Fragen stellen können, weil jeder Hundehalter individuell beraten wird. Es wird ausführlich erklärt, warum und wie man richtig barft. Manche Blinde kochen ja auch selbst oder bringen zum Seminar ihren Ehepartner, andere Verwandte oder Betreuer mit, sodass diese gleich mitinstruiert werden. Auch gibt es ja, siehe oben, bereits Gefrier-Barf, welches nur noch aufgetaut und zusammengerührt werden muss.

  1. Haben Sie dazu Erfahrungen gesammelt und können Sie ein sinnvolles Seminar dazu empfehlen? 

Das Anliegen meiner Seminare ist: 1. Wissen und Aufklärung zu vermitteln und 2. die praktische Umsetzung zu erklären.

  1. Gibt es Hörbücher zu diesem Thema der artgerechten Ernährung und wenn ja, welche?

Als ich das erste Mal von einem Blindenverein gebucht wurde, war mir klar, dass ich in dem Fall mit meinen Powerpoint nicht würde viel ausrichten können. So entstand meine Idee, mein Buch „Allergien beim Hund“ als Hörbuch mit 3 CDs zur Nacharbeitung des Seminars zu erstellen. Es geht darin nicht nur um Allergien sondern um richtiges Barfen zur Prävention vieler Krankheiten, nicht nur um das Wie, sondern auch um das Warum.

  1. Haben Sie noch eine wichtige Information für unsere Kunden, die Sie in diesem Zusammenhang für besonders wertvoll halten?

Ja, ein wichtiges Problem, auf das ich von den blinden Führhundhaltern immer wieder verzweifelt angesprochen wurde, ist das Kotfressen der Hunde, wahrlich keine schöne Angelegenheit. Auch darauf wird ausführlich eingegangen.

  1. Haben Sie noch weitere Empfehlungen zur Vertiefung ihres Themas wie interessante Web Seiten?

Über meine Website www.vera-biber.com kann man sich über meine Themen und Veranstaltungen informieren, sowie u.a. CD bestellen, auch ohne Seminar.

  1. Haben Sie eine Mail Adresse, wenn unsere Kunden noch spezielle Fragen zu ihrem Thema haben?

Allen Seminarteilnehmern oder Käufern meiner CD beantworte ich danach weiterhin kostenlos ihre Fragen per Mail über info@vera-biber.com.

Herzlichen Dank liebe Frau Dr. Biber für die umfangreiche und kompetente Beantwortung unserer Fragen.

http://www.vera-biber.com/D/index.html

Auf Wunsch können wir gerne eine Seminarveranstaltung mit Frau Dr. Vera Biber zum Thema Blindenführhunde organisieren. Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme um eine Teilnehmerliste erstellen zu können.

Hessische Blindenführhundschule